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Hamburgs Vorbereitung 2018

Testspiel gegen Rapid Wien

Nach dem Abstieg des HSV stellte sich in der Vorbereitung die Frage, wie sehr Christian Titz auf Ballbesitzfußball setzen würde. Andere Teams, allen voran Hannover 96, sind in der körperbetonteren zweiten Liga pragmatischer vorgegangen, was sowohl Transfers als auch Spielweise angeht. Das Testspiel gegen Rapid Wien gab deutlich eine andere Antwort: Das Vertrauen in den spielerischen Ansatz ist in Hamburg groß. Obwohl einige wichtige Spieler noch fehlten, zeigte die Mannschaft konsequentes Ballbesitzspiel. Dessen Eigenschaften – und auch Schwächen – sollen im Folgenden analysiert werden.

Erste Aufbauphase

Grafik NEU - HSVb

Aus einer 4-3-3-Anordnung heraus suchte der HSV bereits am eigenen Strafraum nach spielerischen Lösungen. Insbesondere Bates und Pollersbeck blieben mit Ball ruhig und waren auf der Suche nach kurzen Pässen. Neuzugang Bates zeigte zudem einzelne kleine Dribblings und Körpertäuschungen. In dieser ersten Aufbauphase positionierten sich die Achter recht hoch und ließen sich auch nur sporadisch fallen. Dadurch blieben die Halbräume zunächst offen. Diese wurden stattdessen in einigen Fällen von den Außenverteidigern genutzt: Beispielsweise verließ Narey vereinzelt durch Einrücken den Deckungsschatten seines Gegners und war nun anspielbar (z.B. 26.). Blieb Rapid Wien etwas tiefer, konnte man mit einer tiefen Raute aus Pollersbeck, Steinmann und den Innenverteidigern den Ball zirkulieren lassen; rückten sie bis zu einem Innenverteidiger neben dem Strafraum vor, konnte sich der Außenverteidiger aus dem Deckungsschatten lösen und war im Halbraum anspielbar.

Hohe Torwartkette

Grafik NEU - HSV 3

Kurz vor dem Mittelkreis ergab sich durch das weite Aufrücken Pollersbecks eine sehr hohe Torwartkette. Beide Innenverteidiger fächerten daraufhin in den jeweiligen Halbraum auf. Aus dieser breiten Positionierung war, besonders von Bates, häufig ein Pass in die Schnittstelle zwischen gegnerischem Außen und ballnahem Mittelfeldspieler zu sehen. Dieser Pass erreichte meist Jairo (teilweise Holtby) im Halbraum, der sich aus der gegnerischen Viererkette fallenließ, um den Ball danach auf den eigenen Außenverteidiger am Flügel abzulegen. Potentiell sind so, bei genauen Pässen, Gleich- oder sogar Überzahlsituationen möglich, da zwei Spieler der Mittelfeldreihe sowie anschließend der das Fallenlassen verfolgende Innenverteidiger überspielt werden können. Anschließend wurde entweder der schnelle Weg Richtung Strafraum gesucht oder – häufig von Holtby – auf die linke Seite weit verlagert. Obwohl Vagnomans nach dessen Einwechslung (24.) einige gute Kombinationen mit Ito über links hatte, war normalerweise die Verbindung ins letzte Drittel schwieriger.

Grafik NEU - HSV 4

Die Ruhe am Ball war sowohl im tiefen Aufbau als auch an der Mittellinie beachtlich. Das gesamte Verhalten des Teams war darauf ausgelegt, spielerische Lösungen zu finden. Problematisch waren nur einige Einschätzungen bestimmter Situationen. Beispielsweise wurden die Flügelspieler regelmäßig mannorientiert verfolgt, wenn sie sich fallen ließen. Trotz des stark erhöhten Risikos wurde dieser Spieler einige Male dennoch angespielt. Ähnliches war teilweise bei vereinzelten unpassenden Staffelungen zu sehen, bei denen wenige Spieler um den Ball waren, um zu kombinieren bzw. um Zugriff im Gegenpressing haben.

Pressing

Defensiv hatte der HSV einen interessanten Formationswechsel zu einer Raute. Aus dem 4-3-3 rückten die beiden äußeren Mittelfeldspieler, Ito und Jairo, weit in die Halbräume ein und wurden zu Achtern. Gleichzeitig wurden die eigentlichen Achter, Holtby und Janjicic, Zehner bzw. linker Stürmer. Also unterscheidet sich die offensive von der defensiven Formation in vier Positionen. Dies passte recht gut zu den Spielertypen: Insbesondere Holtby konnte seine läuferischen Qualitäten einbringen und den gegnerischen Aufbau hoch unterbinden, während Ito nach Ballgewinnen dem Gegenpressing durch kleine Dribblings entfloh. Die Umformung des HSV ist ungewöhnlich und aufwendiger als der üblichere Wechsel zwischen 4-3-3 und Raute, in dem der Mittelstürmer zum Zehner wird und so im Kern nur eine Position klar geändert wird.

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In der Raute verteidigte der HSV meist in einem hohen Mittelfeldpressing. Die Stürmer blieben häufig kurz vor dem Strafraum; die gegnerischen Innenverteidiger wurden nicht angelaufen. Dabei deckten gleich sechs Spieler das Zentrum und die Halbräume ab, sodass der Gegner auf die Flügel geleitet wurde. Jairo und Ito antizipierten gerade diese Pässe auf die Außenverteidiger. In tieferem Pressing blieb Holtby etwas tiefer und spielte 4-4-2-artig als Achter vor Steinmann. In tiefen Phasen vor dem eigenen Straftraum ließ sich Janjcic ebenfalls neben Steinmann fallen. Das hohe Pressing funktionierte dabei um einiges besser als das tiefe und scheint die Hauptvariante zu werden.

Gegen Rapid Wien zeigte Hamburg ein Ballbesitzspiel, das in der Konsequenz nicht zu erwarten war. Vor allem der Aufbau am eigenen Sechszehner ist sehr mutig und hat einen klaren spielerischen Fokus. Dies macht die Mannschaft von Christian Titz zu einer sehr spannenden Mannschaft in der zweiten Liga.

Aufstellung: Pollersbeck – Ambrosius, Bates, van Drongelen, Narey – Holtby, Steinmann, Janjicic – Jairo, Wintzheimer, Ito — (24. Minute: Vagnoman (LV) für Ambrosius, in der Folge Narey RV.)

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